Menschen hinter RubiN: Stefanie Bließ

Veröffentlicht Veröffentlicht in Allgemein

Der Kern des Projekts RubiN ist ohne jeden Zweifel die Arbeit der Care- und Casemanager, die täglich damit beschäftigt sind, Risikopatienten bestmöglich zu betreuen. Den reibungslosen Ablauf gewährleisten regionale Projektleiter, die es in jeder unserer fünf Interventionsnetze gibt. In der niedersächsischen Modellregion Ammerland / Uplengen / Wiesmoor übt Stefanie Bließ vom Ärztenetz pleXxon die Projektleitung aus. Zum Auftakt unserer Serie „Menschen hinter RubiN“ haben wir sie gefragt, wie die Arbeit der Care- und Casemanager in der Region koordiniert wird.

Frau Bließ, wie sieht Ihr normaler Arbeitstag aus? Welche Aufgaben stehen in den nächsten Tagen an?

Meine täglichen Aufgaben sind sehr vielfältig – jeder Tag sieht anders aus. Das liebe ich an meiner Tätigkeit! Zu meinen Aufgaben gehört es, mein Team zu koordinieren und bei allen Belangen zu unterstützen. Die Umsetzung der Projektziele und Meilensteine werden von mir überwacht und bei Bedarf nachjustiert. Natürlich gehört auch die normale Mitarbeiter-Führung zu meinen Aufgaben, wobei die Motivation des Teams bei uns nicht notwendig ist.

Ein großer und wichtiger Teil meiner Arbeit ist außerdem die Kontrolle sowie das Qualitätsmanagement der Dokumentation. Nur wenn wir unsere Arbeit ausführlich dokumentieren, kann sie erfolgreich ausgewertet werden. Ich muss dafür überprüfen, ob auch wirklich alle erforderlichen Assessments bei den Patienten durchgeführt wurden und ob die Form sowie Inhalt der Dokumentation für die Evaluation ausreichend ist.

Einmal wöchentlich haben wir eine intensive Teambesprechung. Hier werden alle wichtigen Ereignisse der letzten Woche ausgewertet, denn unsere Arbeit ist ein stetiger Verbesserungsprozess. Wir lernen von unseren Fehlern und versuchen, unseren Patienten noch besser zu helfen.

Jeden Tag arbeiten wir an der Fortführung des Projekts. Die Corona-Zeit macht es uns nicht leicht. Eigentlich standen viele wichtige Termine mit den politischen Entscheidungsträgern an, aber die mussten nun alle ausfallen. Ich recherchiere neue Fördermöglichkeiten, wende mich an Gremien sowie Politikern aus der Region und Niedersachsen.

In den nächsten Tagen steht auch die Organisation der RubiN-Veranstaltung für unsere Ärzte und MFAs an. Hier geht es darum, die erreichten Ziele, Erfolge, Stolpersteine und Fehler zu analysieren und auszuwerten. Bei der Veranstaltung werden erste Projektergebnisse präsentiert. Auch ein Netzwerkpartner wird über seine Erfahrung mit RubiN berichten und dabei auf die dringliche Weiterführung von RubiN aufmerksam machen.

Gibt es auch einen regelmäßigen Austausch mit den Projektleitern der anderen Regionen?

Der Austausch mit den anderen Projektleitern ist absolut wichtig und findet regelmäßig statt. Anders als in anderen Projekten haben wir bei RubiN das Glück, dass wir unsere Regionen miteinander vergleichen und voneinander lernen können. Vieles läuft ähnlich ab, aber die Menschen sind überall verschieden. Wir können die regionalen Unterschiede aufzeigen. Außerdem profitiere ich von den Meinungen und Anregungen der anderen Regionen. Wenn man mal nicht weiterkommt, können mir die anderen Projektleiter oft neue Wege zeigen, die sie zum Teil schon erfolgreich gegangen sind.

In anderen Regionen sieht auch die Versorgung unserer Zielgruppe schon besser aus. Das Land Niedersachsen hat sich gegen die Nachbarschaftshilfe § 45a SGB XI ausgesprochen. Die Patienten aus den anderen Regionen mit diesem Rechtsanspruch können davon sehr profitieren und Versorgungslücken können so geschlossen werden. Durch unseren Austausch, kann ich auch Niedersachsen diesen Missstand auszeigen und versuchen, die Dringlichkeit des Rechtsanspruchs auch hier umzusetzen.

Inwiefern bestimmt Corona immer noch Ihre Arbeit?

Ab März hätten wichtige Gespräche und Veranstaltungen mit Politikern stattgefunden, die leider auf unbestimmte Zeit verschoben werden mussten. Diese Gespräche wären so wichtig gewesen, um den Entscheidungsträgern klar zu machen, wie wichtig eine Fortführung unserer Arbeit ist und dass wir eine Finanzierungsmöglichkeit brauchen.

Darüber hinaus muss mein Team auch weiterhin sehr flexibel arbeiten, da immer noch nicht alle Patienten besucht werden können. Trotzdem müssen alle Assessments zu den vorbestimmten Zeitpunkten eingeholt werden. Das bedeutet viel Organisation und Doppelarbeit. Zudem kommt es vor, dass die Patienten auch immer noch sehr unter der Isolation leiden. Deshalb versuchen wir vermehrt, uns um diese Patienten zu kümmern.

Wie erleben Sie das Feedback der betreuten Risikopatienten in Ihrer Modellregion?

Sie sind sehr dankbar, dass sie uns haben. Die Zeit verunsichert die Patienten sehr. Wir betreiben weiterhin viel Aufklärungsarbeit und machen den Patienten deutlich, dass sie weiterhin sehr vorsichtig sein müssen. Aber wir wissen auch, dass Vereinsamung ein enormer Risikofaktor für weitere Erkrankungen ist. Bereits vor der Coronazeit haben vereinsamte Menschen einen großen Hilfebedarf gezeigt. Die Pandemie hat dies noch mehr verstärkt. Wir versuchen, die Menschen über das Telefon zu vernetzen, einige dieser Patienten werden regelmäßig von unseren Koordinatorinnen angerufen.

Es ist auch noch zu sagen, dass bestimmte Gesundheits- und Versorgungprobleme durch Corona verstärkt wurden. Viele unserer Patienten waren stark belastet, weil beispielhaft keine Aufnahme eines dementen Angehörigen in der Tagespflege stattfinden. Es ist zum Teil immer noch schwer, eine gute Versorgung zu organisieren.

Zum Jahresende werden die Fördergelder für RubiN auslaufen. Welche Folgen hat das für die Menschen in Ihrer Region?

Leider sehr große. Unsere teilnehmenden Patienten erkundigen sich regelmäßig, ob eine Lösung gefunden wurde. Sie wissen nun, wie RubiN sie unterstützen kann und nehmen diese Leistung intensiv in Anspruch. Unsere Patienten spiegeln uns wider, dass sie sich schon immer so einen „Dienst“ gewünscht und oft schon viel früher gebraucht haben. Vielen konnten wir dabei helfen ihren Lebensmut, Freude und Aussicht auf einen lebenswerten letzten Lebensabschnitt zurückzuerlangen.

Wir wussten von Anfang an, dass die Laufzeit begrenzt ist. Deshalb war unser Ziel, die Teilnehmer für die Zeit nach dem Projekt vorzubereiten: Dazu gehören eine Beratung zu allen wichtigen Leistungsansprüchen, der Patientenordner, die Patientenverfügung und eine Vorsorgevollmacht wie auch ein Hinweis auf alle wichtigen Beratungsstellen. Aber aus der Erfahrung wissen wir, dass geriatrische Patienten oft in Krisensituationen mit all diesen Angeboten überfordert sind und so eine Inanspruchnahme der Beratungsangebote oft nicht stattfindet. Ich will mir gar nicht vorstellen, wie diese Fälle in Zukunft wieder verlaufen und wie einige Menschen erneut durch das Raster fallen werden. Die Fälle sind meistens sehr komplex, weil mehrere Leistungserbringer und die Wünsche des Patienten koordiniert werden müssen. Das kann nur zufriedenstellend und erfolgreich durch ein Casemanagement organisiert werden. Nach RubiN gibt es das einfach nicht mehr. Das ist sehr traurig und nicht richtig!

Inzwischen haben alle in der Region Beteiligten die Vorteile von RubiN erkannt und schätzen gelernt. Ärzte und Pflegedienste etwa nehmen uns immer mehr in Anspruch und empfehlen uns weiter. Da fällt es schwer nun zu sagen, dass wir nicht mehr weiterhelfen können. Denn oft sind diese Leistungserbringer die Verlierer im System, an denen viel Arbeit hängen bleibt, die sie aufgrund von Zeitmangel nicht koordiniert oder bezahlt bekommen.

Mit dem GPVG scheitern Innovationsfondsprojekte weiter an der Überführung in die Regelversorgung

Veröffentlicht Veröffentlicht in Presse
  • Die im Innovationsfondsprojekt RubiN beteiligten Praxisnetze lehnen die Regelungen des GPVG ab, wonach die selektivvertragliche Fortführung von Versorgungsmodellen als Regelversorgung umgedeutet werden soll.
  • Aus patientenorientierter Sicht ist ethisch nicht vertretbar, die Hilfen für Hochbetagte von Kassenzugehörigkeit und Wohnort abhängig zu machen und diese damit zum Spielball des Kassenwettbewerbs zu erklären.
  • Das Beispiel des Projekts RubiN macht klar, warum neue Versorgungsformen aus dem Innovationsfonds über Selektivverträge nicht in der Regelversorgung ankommen.

Göttingen, 23. September 2020. Im August hat das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) einen Entwurf für ein Versorgungsverbesserungsgesetz (GPVG) präsentiert. In seiner Stellungnahme mahnte bereits der Bundesverband Managed Care (BMC), dass für Krankenkassen kein Anreiz für die vom BMG gewollten gemeinsamen Selektivverträge erkennbar ist. Für die Patienten, die auf die Hilfestellung aus solchen Verträgen angewiesen sind, kann das fatale Auswirkungen haben. Deutlich wird das am Beispiel des Innovationsfondsprojekts RubiN.

Im Projekt RubiN (Regional ununterbrochen betreut im Netz) helfen Patientenlotsen, so genannte Care- und Casemanager, mehr als 3.200 Risikopatienten im Alter über 70 Jahren bei einer möglichst selbstständigen Lebensweise im eigenen häuslichen Umfeld. Die Hinweise auf den meist erheblichen Hilfebedarf kommen von behandelnden Hausärzten und beziehen häufig das ganze familiäre Geflecht mit überforderten Ehepartnern und hilflosen Kindern ein. Nicht selten müssen Care- und Casemanager für Patientensicherheit sorgen und Notfallsituationen wie Selbst- und Fremdgefährdung meistern. „Gerade Corona hat uns gezeigt: Die Besuche unserer Mitarbeiter sind oft die letzten Rettungsanker, denn viele alte Menschen leben allein und isoliert“, berichtet Lysann Kasprick, Ausbilderin bei RubiN.

Flächendeckend fortführen ließe sich diese Arbeit nach dem Auslaufen der Innovationsfonds-Förderung unter den Bedingungen des GPVG nicht. Kommen neue Selektivverträge zustande, könnten nur Versicherte der teilnehmenden Kassen versorgt werden und nur ein Bruchteil der Care- und Casemanager ihre Arbeit fortsetzen. Das Ergebnis ist ein bürokratischer Flickenteppich.

„Wir sehen uns damit konfrontiert, dass wir Fälle abweisen müssen, die unsere Hilfe dringend benötigen. Das ist in meinen Augen weder patientenorientiert noch ethisch vertretbar und kann schon gar nicht mit dem Wettbewerb der Krankenkassen gerechtfertigt werden,“ meint Claudia Beckmann, Netzkoordinatorin im Projekt RubiN.

Allein für das Projekt RubiN wurden Beitragsgelder von über acht Millionen Euro investiert – mit dem Ziel, diese neue Versorgungsform in der gesetzlichen Krankenversicherung zu erproben und zu evaluieren. „Es ist sehr schade, diese regional flächendeckenden Versorgungsstrukturen durch potenzielle Selektivverträge der Bedeutungslosigkeit anheimfallen zu lassen“, bedauert Katja Götz, Professorin für Primärversorgungsforschung der Universität zu Lübeck.

Für die Überführung in die Regelversorgung ist vom Gesetzgeber neben der wissenschaftlichen Evaluation anschließend eine Entscheidung des Gemeinsamen Bundesausschusses vorgesehen. Die Dauer dieser Prozesse bedeutet, dass mühsam aufgebaute Strukturen in der Zwischenzeit mangels Finanzierung verloren gehen. Deshalb haben die Praxisnetze, die hinter dem Projekt RubiN stehen, bereits vor Monaten einen anderen Weg beschritten und eine Gesetzesinitiative gestartet. Ihrer Ansicht nach muss das Care- und Casemanagement als Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung in das Sozialgesetzbuch V aufgenommen werden.  Das RubiN-Team ist sich einig: „Die aktuelle Situation zeigt uns, dass unsere Gesetzesinitiative der einzige Weg ist, mit dem wir dringend benötigte Hilfen für alle gesetzlich Versicherten einführen können.“

als PDF abrufen

Weniger Schwindel, mehr Lebensqualität

Veröffentlicht Veröffentlicht in Allgemein

Stellen Sie sich vor, Sie sind auf dem Weg zum Bäcker und schlagartig dreht sich die Welt um Sie herum. Sie verlieren die Kontrolle über Ihre Beine und gehen in die Knie. Zudem wird Ihnen schlagartig sehr übel, Sie haben keine Orientierung mehr über oben, und unten, oder links und rechts. Situationen wie diese beschreiben bis zu 50 Prozent aller Senioren im Alter über 70 Jahren. Es handelt sich um eine Schwindelattacke.

Leider tritt dieses Symptom so oft auf, dass es häufig als allgemeines Begleitsymptom des Alters gewertet und einfach akzeptiert wird. Bei Menschen über 75 Lebensjahren ist Schwindel sogar als das am häufigsten geäußerte Leiden . (Neuhauser, H. K. (2009). Epidemiologie von Schwindelerkrankungen. Der Nervenarzt, 80(8), 887-894.

Im Projekt RubiN legen wir mit unseren Care- und Casemanagern Wert auf eine genaue Abklärung und Diagnostik. Wenn unsere Care- und Casemanager im Rahmen eines Assessments oder im persönlichen Gespräch erfahren, dass ein Patient unter Schwindel leidet, gehen wir der Sache konsequent nach. Der erste Schritt ist dabei die Abklärung, um welche Form des Schwindels es sich handelt. Dabei wird zwischen Dreh- (kreisförmig), Schwank- (links-rechts) oder Liftschwindel (hoch-runter) unterschieden. Anschließend erfolgt eine Rückmeldung an behandelnden Hausarzt, denn die Ursachen und Zusammenhänge mit anderen Symptomen sind komplex und vielfältig, können aber in vielen Fällen einfach behoben werden.

Der sogenannte „gutartige Lagerungsschwindel“ – eine der häufigsten Arten bei älteren Menschen, – kann beispielsweise in vielen Fällen selbstständig durch den Patienten aufgelöst werden. Dabei kommt ein einfacher Bewegungsablauf, bekannt als „Epley-Befreiungsmanöver“ zum Einsatz, den unsere Care- und Casemanager beherrschen und an unsere Patienten weitergeben können.

Wir unterstützen unsere Patienten dabei, die Einschränkung der Lebensqualität nicht einfach hinzunehmen. Auch wenn das Symptom im Alter verbreitet ist, wollen wir es nicht als Normalität akzeptieren. Deshalb nehmen unsere Care- und Casemanager den Schwindel ernst – ganz nach dem Motto: Weniger Schwindel, mehr Lebensqualität!

So erlebten wir den Lockdown – Erfahrungsbericht aus der Modellregion Lippe

Veröffentlicht Veröffentlicht in Allgemein

Allein schon wegen ihres Alters sind alle Patienten, die wir im Projekt RubiN betreuen, durch Covid-19 besonders gefährdet. Um eine Ansteckung auszuschließen, haben wir früh reagiert und unsere sonst regelmäßig stattfindenden Hausbesuche bis auf Weiteres abgesagt. Unsere Patienten haben diese Entscheidung sehr verständnisvoll aufgenommen. Viele wollten aus Angst vor einer Infektion auch selbst keinen Besuch empfangen.

Der Verzicht auf Hausbesuche hat für uns zu keinem Zeitpunkt einen Rückzug aus der Betreuung bedeutet. Stattdessen haben wir andere Wege gefunden, um für unsere Patienten da zu sein. Auch während der Hochphase des Lockdowns waren unsere Care- und Casemanager unermüdlich für ihre jeweiligen Patienten im Einsatz. So haben wir beispielsweise Anleitungen und Material für unser Handkrafttraining per Post verschickt. Weil Datenerhebungen vor Ort nicht denkbar waren, haben wir unsere Assessments so weit wie möglich telefonisch durchgeführt.

Unsere unter normalen Umständen sehr beliebte Rehasportgruppe musste aus Gründen des Infektionsschutzes leider auch ausfallen. Manche unserer Patienten, konnten selbstständig alternative Betätigungen finden, andere litten jedoch mehr unter der eingeschränkten Bewegungsfreiheit. Dabei haben wir den Eindruck gewonnen, dass Patienten mit Angehörigen weitaus besser mit den neuen Herausforderungen umgehen konnten als solche, die allein leben und keine Familie um sich haben. Diese Beobachtung trifft neben der Mobilität auch auf ein Gefühl der Einsamkeit und Isolation zu, von dem uns viele Patienten berichtet haben. Während des Lockdowns haben wir in der Modellregion Lippe daher eine Postkarten-Aktion gestartet, für die wir viel Dankbarkeit erfahren haben.

Inzwischen absolvieren unsere Care- und Casemanager wieder regelmäßig Hausbesuche. Um weiterhin eine Infektion zu verhindern, findet vor jedem Besuch eine individuelle Risikoeinschätzung statt, die sich an einer Vorlage der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) orientiert. Bei den Hausbesuchen werden nun auch die Assessments nachgeholt, die wir in der Zwischenzeit nicht absolvieren konnten. Dies betrifft vor allem eine Erhebung zu kognitiven Einschränkungen (Demtect) und eine weitere zu Einschränkungen der Mobilität (TUG). Die Auswertung der Assessments wird zu einem späteren Zeitpunkt zeigen, ob die Eindrücke, die wir während des Lockdowns gewonnen haben, auch in den Daten wiederzufinden sind.

Eins steht aber schon jetzt fest: Nach Wochen in relativer Isolation sind viele unserer Patienten froh, dass wir wieder zu Besuch kommen. Das zeigt sich nicht zuletzt in einem hohen Gesprächsbedarf seitens der Patienten. Zudem stellen wir fest, dass in der Zwischenzeit oftmals neue Koordinationsbedarfe entstanden sind. Das hat zur Folge, dass wir nun viele der individuellen Hilfepläne ändern und erweitern müssen. Denn trotz Corona gilt: Die Arbeit geht weiter!

So könnte Care- und Casemanagement im Gesetz verankert werden

Veröffentlicht Veröffentlicht in Allgemein

Im Projekt RubiN beschäftigen wir uns seit Jahren mit der Frage, wie Risikopatienten im Alter über 70 Jahren eine individuelle Begleitung und geeignete Versorgungsangebote zuteilwerden können. Seit dem Start des Projekts konnten wir einen guten Überblick darüber gewinnen, wie Care- und Casemanagement regional qualitativ hochwertig aufgebaut und umgesetzt werden muss. Auch den Aufwand, der dadurch entsteht, können wir konkret beziffern.

Diese Erkenntnisse wollen wir jetzt verstärkt dafür einsetzen, um für eine Fortführung und bundesweite Ausweitung des Care- und Casemanagements zu werben. Denn für RubiN tickt die Uhr. Ende 2020 läuft die Förderung aus dem Innovationsfonds für den Einsatz von Care- und Casemanagerinnen aus – mit ernsten Konsequenzen für die betreuten Risikopatienten, die plötzlich ohne professionelle Hilfestellungen dastehen. Außerdem möchten wir, dass Patienten, die wegen einer oder mehrerer Erkrankungen Hilfebedarf haben überall begleitet werden und nicht nur in einzelnen Modellprojekten. Deshalb setzen wir uns dafür ein, dass ein Leistungsanspruch auf das Care- und Casemanagement in der Gesetzgebung verankert wird.

Eine erste Grundlage dafür ist unser Positionspapier, das mittlerweile von mehr als 25 Projekten und Organisationen unterstützt wird. Darin forderten wir bereits2019 einen gesetzlichen Anspruch auf Care- und Casemanagement. Auf der Basis dieses Konzepts haben wir nun in Abstimmung mit der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe einen Vorschlag für einen Gesetzestext ausgearbeitet.

Der Vorschlag wurde bereits an verschiedenen Stellen auf Länder- und Bundesebene eingereicht. Wir sind beeindruckt von dem großen Interesse an diesem Thema! Unser Vorschlag wird aktuell von mehreren politischen Akteuren ernsthaft geprüft.

Für die kommenden Wochen und Monate hoffen wir jetzt auf einen verstärkten Austausch über eine mögliche Einführung des Care- und Casemanagements. Gerade unter Pandemiebedingungen erscheint es uns sehr dringlich, die Anwaltschaft besonders der alleinlebenden alten Menschen in Deutschland zu übernehmen und die Diskussion über strukturierte und verlässliche Hilfen mit unserem Vorschlag zu beleben. Denn in Zeiten der Not ist der Bedarf nach Menschlichkeit groß.

Im Einsatz für mehr Selbstbestimmung im hohen Alter

Veröffentlicht Veröffentlicht in Allgemein

Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen e.V. (BAGSO) fordert in einer Mitteilung vom 02. April  2020 eine weltweite Konvention zur Stärkung der Rechte Älterer. Der Verband zielt darauf ab, die Teilhabemöglichkeiten, die soziale Lage und den Schutz von Senioren in verletzlichen Lebensphasen zu verbessern.

Viele Beispiele zeigen, dass ein hohes Alter einem aktiven und engagiertem Alltag nicht im Weg stehen muss. Senioren sind also nicht per Definition hilfsbedürftig. Für diejenigen, die Hilfe benötigen, ist diese zum Teil aber nur schwer erreichbar. Zu viele Senioren leben zurückgezogen, sind überfordert und leiden unter gesundheitlichen Problemen, die nicht angemessen versorgt werden. Das gilt umso mehr, weil das Telefon in diesen Zeiten bei vielen Betroffenen die einzige Verbindung zur Außenwelt darstellt. Digitale Kommunikationsmittel stehen vielen gar nicht zur Verfügung. Deshalb leben viele Senioren jetzt noch isolierter als zuvor. An eine gewöhnliche soziale Teilhabe ist unter diesen Umständen kaum zu denken.

Im Projekt RubiN werden Risikopatienten im Alter über 70 Jahren deshalb von ausgebildeten Care- und Casemanagern begleitet. Nach einer Analyse des individuellen Unterstützungsbedarfs können die Care- und Casemanager ihre Patienten zu geeigneten Versorgungsangeboten lotsen. Dazu zählen beispielsweise Arztbesuche und in normalen Zeiten auch Sportgruppen oder andere soziale Angebote. Außerdem können die Care- und Casemanager helfen, wenn ein Pflegegrad oder beispielsweise eine neue Gehhilfe beantragt werden muss. Zusätzliche Maßnahmen wie ein Handkrafttraining für zu Hause unterstützen die betreuten Risikopatienten bei der Beibehaltung ihrer Alltagskompetenz.

In der Summe sollen diese Maßnahmen Senioren helfen, möglichst lange gesund, aktiv und im eigenen häuslichen Umfeld zu bleiben. Die Befähigung zu einem möglichst selbstständigen Alltag gehört zu den Kernanliegen des Care- und Casemanagements. RubiN leistet somit einen wichtigen Beitrag für mehr Selbstbestimmung im hohen Alter – auch in Corona-Zeiten.

Care- und Casemanagement zu Corona-Zeiten

Veröffentlicht Veröffentlicht in Allgemein

Für die 3.200 Risikopatienten, die wir in unseren fünf Modellregionen betreuen sind schwere Zeiten angebrochen. Alle von Ihnen sind über 70 Jahre alt und ein Großteil leidet unter Vorerkrankungen, die bei einer Ansteckung mit dem neuartigen Coronavirus einen milden Verlauf eher unwahrscheinlich machen. Wie können unsere Care- und Casemanager in dieser Situation am besten für ihre betreuten Patienten da sein?

Wegen der Gefahr, die bei einer Ansteckung droht, steht der Schutz der Risikopatienten für uns an erster Stelle. Er bestimmt jetzt die Arbeit der Care- und Casemanager, die dafür ihren Alltag in weiten Teilen umgestaltet haben. Die sonst üblichen Hausbesuche sind in dieser Situation kaum sinnvoll, deshalb findet die Betreuung in diesen Tagen primär telefonisch statt. Dabei merken wir, wie die Isolation unseren Patienten zusetzt. Depressive Tendenzen treten beispielsweise verstärkt zutage. Wir können Betroffene damit nicht allein lassen, also werden Telefonketten und ehrenamtliche Helfer aktiviert. Verstärkt geht es darum, dass einfach jemand erreichbar ist und zuhört, auch wenn das derzeit nur über das Telefon möglich ist. Um unsere Risikopatienten in der Isolation zu unterstützen, organisieren wir außerdem Einkaufshilfen.

In mehreren Modellregionen ist inzwischen auch eine Mundschutz-Produktion angelaufen. Mit etwas Stoff, Draht und Faden kann jeder zuhause einen einfachen, waschbaren Mundschutz nähen, der die Tröpfchenverteilung und damit die Ansteckungsgefahr zumindest ein bisschen minimeren kann. Unser Ausbildungspartner GeriNet Leipzig e.V. hat eine entsprechende Anleitung veröffentlicht.

Diese Maßnahmen können natürlich nur ein Tropfen auf den heißen Stein sein. Die aktuelle Situation stellt unser Projekt insgesamt vor große Herausforderungen. Gleichzeitig wird mehr denn je deutlich, wie wichtig eine niedrigschwellige Koordination und Unterstützung für viele im hohen Alter sein kann, die sonst schnell überfordert, abgehängt und vergessen sind. Das Engagement unserer Care- und Casemanager ist in dieser schwierigen Zeit deshalb ungebrochen. Wir bleiben dran und werden weiterhin so gut wie möglich für unsere Risikopatienten da sein!

Zwischenauswertung für den Besuch der Patientenbeauftragten: Wirkt RubiN wirklich?

Veröffentlicht Veröffentlicht in Allgemein

Am 25. Februar durften wir die Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Prof. Dr. Claudia Schmidtke, in unserer Modellregion Herzogtum Lauenburg begrüßen. Bei dieser Gelegenheit konnten wir einen lebendigen Eindruck aus dem Alltag der Care- und Casemanager vermitteln und die Patientenbeauftragte über den aktuellen Stand des Projekts informieren. Neben dem messbaren Nutzen des Care- und Casemanagements spielen dabei die regionale Umsetzung und das unmittelbare Schließen von Versorgungslücken eine wichtige Rolle.

Eigens für den Besuch der Patientenbeauftragten wurde eine kleine Zwischenauswertung zum Mehrwert einzelner Maßnahmen aus RubiN angefertigt. Diese Auswertung ist keinesfalls mit der umfangreichen wissenschaftlichen Evaluation zu vergleichen, die für das Ende der Projektlaufzeit geplant ist. Dennoch vermittelt sie einen ersten Einblick in die tatsächlichen Effekte der Betreuung durch die Care- und Casemanager.

Im Fokus stehen dabei niedrigschwellige Instrumente wie das Handkrafttraining. Hier werden Wäscheklammern, Gummibänder und anderen Alltagsgegenstände zu einfachen Trainingsgeräten umfunktioniert. Wie die Zwischenauswertung jetzt zeigt, trägt ein regelmäßiges Training in der Tat zu einer Stärkung der Muskeln bei. Bereits nach wenigen Wochen konnte eine durchschnittliche Zunahme der Handkraft um 9,7 Prozent (linke Hand) bzw. 11,5 Prozent (rechte Hand) gemessen werden. Für die Teilnehmer bedeutet das einen Zugewinn an Lebensqualität, weil etwa das Öffnen von Trinkflaschen oder von Türen wieder leichter fällt.

Ein weiterer Bestandteil der Zwischenauswertung ist eine vorläufige Kostenrechnung des Care- und Casemanagements. Diese beantwortet die wichtige Frage, wie groß der durchschnittliche Zeitbedarf pro Betreuung ausfällt und welche Kosten damit insgesamt verbunden sind. Auch diese Werte stellen ausdrücklich keine finale Auswertung dar, ermöglichen aber bereits ein erstes Abschätzen des Kosten-Nutzen-Verhältnisses beim Care- und Casemanagement. Bis alle Daten am Ende der Projektlaufzeit von unseren Evaluationspartnern abschließend analysiert sind, dienen diese Zahlen als Bezugspunkt. Das gilt auch für unsere Anstrengungen, das Care- und Casemanagement in die Regelversorgung einzuführen. Hierfür sind diese vorläufigen Erkenntnisse Ermutigung und Ansporn zugleich!

Niedersachsen diskutiert die sektorenübergreifende Versorgung

Veröffentlicht Veröffentlicht in Allgemein

Vertreter der Krankenkassenlandschaft, der Gesundheitspolitik, der Ärztekammer und der Kassenärztlichen Vereinigung kamen am 19. Februar in Hannover zum 2. Versorgungsdialog zusammen. Eingeladen hatte die BARMER gemeinsam mit der Landesvereinigung für Gesundheit und Akademie für Sozialmedizin Nds.

Im Rahmen des Versorgungsdialogs wollen die Veranstalter Visionen und Konzepte für eine sektorenübergreifende Versorgung diskutieren. Eine spannende Perspektive bietet in diesem Zusammenhang das Care- und Casemanagement aus RubiN, das deshalb in einem Vortrag erläutert wurde. Die Care- und Casemanager, die in dem Projekt zum Einsatz kommen, verfügen über ein tiefes Wissen regionaler Versorgungsangebote und können diese somit bedarfsgerecht und sektorenübergreifend vermitteln. Sonja Laag, die das Projekt als Konsortialführerin leitet, betonte wie dadurch neue Versorgungsstrukturen geschaffen werden und welche Entwicklungen nötig sind, um diese zu etablieren. Genaueres konnten die Besucher der Veranstaltung am Aussteller-Stand von RubiN erfahren, der von unserer niedersächsischen Modellregion Ammerland / Uplengen / Wieesmoor betreut wurde.

In Fachkreisen ist das Konzept des Care- und Casemanagements nicht mehr unbekannt. Auch das Projekt RubiN erfreut sich einer wachsenden Bekanntheit. Veranstaltungen wie der Versorgungsdialog in Hannover sind daher eine gute Gelegenheit, weiter für RubiN zu werben und damit für die Rolle des Care- und Casemanagements in der Gesundheitsversorgung der Zukunft.

Ankündigung: Patientenbeauftragte informiert sich über RubiN

Veröffentlicht Veröffentlicht in Allgemein

Am 25. Februar wird sich die Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Prof. Dr. Claudia Schmidtke, MdB, im Herzogtum Lauenburg, der nördlichsten Modellregion, über das Projekt RubiN informieren. Bei dem Termin im Lebenshilfewerk Mölln-Hagenow wird es in erster Linie darum gehen, der Herzchirurgin Prof. Dr. Schmidtke einen detaillierten Einblick in die tägliche Arbeit der RubiN Care- und Casemanagerinnen im häuslichen Umfeld von älteren Menschen zu vermitteln.

Nachlassende Handkraft, Schmerzen, Inkontinenz und Schwindel zählen zu den Umständen, die ein selbstständiges Leben in den eigenen vier Wänden sehr beschwerlich machen können. Deshalb werden in RubiN verschiedene Maßnahmen kombiniert, die darauf abzielen, den Betroffenen Hilfestellungen zu geben. Dazu zählt etwa das im Projekt selbst konzipierte Handkrafttraining. Ziel ist dabei die Stärkung der Alltagskompetenz der Senioren.

Derzeit werden 3200 Patienten in den fünf Modellregionen von RubiN betreut. Aktuelle Erfolge und Herausforderungen bei der Umsetzung wollen wir Frau Prof. Dr. Claudia Schmidtke bei ihrem Besuch vorstellen.

Die Arbeit der Care- und Casemanager spielt bei dem Projekt eine elementare Rolle, ebenso wie die interdisziplinäre Koordination und Kooperation, die in Lauenburg vermehrt auch durch digitale Visiten erfolgt. Hierdurch kann der notwendige Austausch stattfinden, ohne dass dabei unzählige Kilometer Autofahrt im Flächenland Lauenburg erforderlich sind. Wie genau das funktioniert, werden die Schmerztherapeutin und Fachärztin für Anästhesiologie, Frau Dr. med. Susanne Westermann mit einer Care- und Casemanagerin in einer Video-Fallkonferenz anhand eines konkreten Falls aus ihrem Arbeitsalltag darstellen.

Der Besuch der Patientenbeauftragten im Herzogtum Lauenburg wurde im November bei einem persönlichen Gespräch in Berlin vereinbart. Nun freuen wir uns auf die nächste
Gelegenheit zum Austausch!