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So erlebten wir den Lockdown – Erfahrungsbericht aus der Modellregion Lippe

Allein schon wegen ihres Alters sind alle Patienten, die wir im Projekt RubiN betreuen, durch Covid-19 besonders gefährdet. Um eine Ansteckung auszuschließen, haben wir früh reagiert und unsere sonst regelmäßig stattfindenden Hausbesuche bis auf Weiteres abgesagt. Unsere Patienten haben diese Entscheidung sehr verständnisvoll aufgenommen. Viele wollten aus Angst vor einer Infektion auch selbst keinen Besuch empfangen.

Der Verzicht auf Hausbesuche hat für uns zu keinem Zeitpunkt einen Rückzug aus der Betreuung bedeutet. Stattdessen haben wir andere Wege gefunden, um für unsere Patienten da zu sein. Auch während der Hochphase des Lockdowns waren unsere Care- und Casemanager unermüdlich für ihre jeweiligen Patienten im Einsatz. So haben wir beispielsweise Anleitungen und Material für unser Handkrafttraining per Post verschickt. Weil Datenerhebungen vor Ort nicht denkbar waren, haben wir unsere Assessments so weit wie möglich telefonisch durchgeführt.

Unsere unter normalen Umständen sehr beliebte Rehasportgruppe musste aus Gründen des Infektionsschutzes leider auch ausfallen. Manche unserer Patienten, konnten selbstständig alternative Betätigungen finden, andere litten jedoch mehr unter der eingeschränkten Bewegungsfreiheit. Dabei haben wir den Eindruck gewonnen, dass Patienten mit Angehörigen weitaus besser mit den neuen Herausforderungen umgehen konnten als solche, die allein leben und keine Familie um sich haben. Diese Beobachtung trifft neben der Mobilität auch auf ein Gefühl der Einsamkeit und Isolation zu, von dem uns viele Patienten berichtet haben. Während des Lockdowns haben wir in der Modellregion Lippe daher eine Postkarten-Aktion gestartet, für die wir viel Dankbarkeit erfahren haben.

Inzwischen absolvieren unsere Care- und Casemanager wieder regelmäßig Hausbesuche. Um weiterhin eine Infektion zu verhindern, findet vor jedem Besuch eine individuelle Risikoeinschätzung statt, die sich an einer Vorlage der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) orientiert. Bei den Hausbesuchen werden nun auch die Assessments nachgeholt, die wir in der Zwischenzeit nicht absolvieren konnten. Dies betrifft vor allem eine Erhebung zu kognitiven Einschränkungen (Demtect) und eine weitere zu Einschränkungen der Mobilität (TUG). Die Auswertung der Assessments wird zu einem späteren Zeitpunkt zeigen, ob die Eindrücke, die wir während des Lockdowns gewonnen haben, auch in den Daten wiederzufinden sind.

Eins steht aber schon jetzt fest: Nach Wochen in relativer Isolation sind viele unserer Patienten froh, dass wir wieder zu Besuch kommen. Das zeigt sich nicht zuletzt in einem hohen Gesprächsbedarf seitens der Patienten. Zudem stellen wir fest, dass in der Zwischenzeit oftmals neue Koordinationsbedarfe entstanden sind. Das hat zur Folge, dass wir nun viele der individuellen Hilfepläne ändern und erweitern müssen. Denn trotz Corona gilt: Die Arbeit geht weiter!