Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe und RubiN kämpfen gemeinsam für die Einführung des Care- und Casemanagements

Veröffentlicht Veröffentlicht in Allgemein

Sowohl die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe als auch das Innovationsfondsprojekt RubiN setzen sich schon seit längerem für das Care- und Casemanagement ein. Bei RubiN etwa werden 3.200 Risikopatienten im Alter über 70 Jahren von Care- und Casemanagern (CCM) betreut und somit bei einer möglichst selbstständigen Lebensweise im häuslichen Umfeld unterstützt. Das Projekt erhält rund 8,1 Millionen Euro aus dem Innovationsfonds. Die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe ist ihrerseits federführend am Projekt STROKE OWL beteiligt, bei dem Schlaganfall-Lotsen rund 1.600 Schlaganfall-Patienten zu mehr Lebensqualität im Alltag verhelfen. Das Projekt wird mit 7,1 Millionen Euro aus dem Innovationsfonds der Bundesregierung unterstützt.

Die beiden Partner wollen nun ihre Kräfte bündeln und gemeinsam für die deutschlandweite Etablierung des Care- und Casemanagements eintreten. Dazu haben RubiN und die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe eine strategische Kooperation vereinbart. Ziel der Zusammenarbeit ist die gesetzliche Verankerung des Leistungsanspruchs von Erkrankten mit komplexem Versorgungsbedarf auf ein Care- und Casemanagement.

Konkret fordern RubiN und die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe eine Aufnahme des Care- und Casemanagements in die Sozialgesetzbücher, insbesondere in das fünfte Sozialgesetzbuch (SGB V). Die Indikationsstellung und Verordnung sollen grundsätzlich durch den behandelnden Arzt erfolgen. Dafür soll dieser eine Vergütung erhalten. Zentral ist außerdem die Frage, wie die Leistungserbringer für das Care- und Casemanagement definiert werden und wie deren Zulassung erfolgen kann. Definiert gehört ebenfalls die Vergütung für die Leistung, die nach Schweregraden, und somit nach dem Aufwand der Unterstützung, differenziert werden kann.

Wie genau das Care- und Casemanagement in die Sozialgesetzgebung einfließen kann, bereiten RubiN und die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe in den kommenden Wochen im Rahmen einer Klausurtagung vor. Dabei werden auch Fachjuristen zu Rate gezogen. Eine wichtige Diskussionsgrundlage ist dabei das Positionspapier von RubiN zur Überführung in die Regelversorgung.

Tagebuch einer Casemanagerin – Yvonne Lorenz

Veröffentlicht Veröffentlicht in Allgemein

Yvonne Lorenz ist Care- und Casemanagerin in unserer nördlichsten Modellregion, dem Herzogtum Lauenburg in Schleswig-Holstein. In einem Beitrag, der zuerst im Magazin vernetzt + versorgt erschienen ist, stellt sie den den Fall von Frau Schneider* vor, die von ihr im Rahmen des Care- und Casemanagements betreut wird. Frau Schneider ist 82 Jahre alt, verwitwet und hat keine Kinder, allerdings eine Zwillingsschwester. Hausärztlich versorgt wird sie von einer Praxis in Schwarzenbek, wo sie alleine in einer kleinen Wohnung im ersten Stock eines Mehrfamilienhauses wohnt.

Februar 2019

Yvonne Lorenz wurde von der Schwarzenbeker Hausarztpraxis gebeten, einen ersten Hausbesuch zur Erfassung des Unterstützungsbedarfs bei Frau Schneider vorzunehmen. Nach einem ausgiebigen Gespräch mit Frau Schneider stellt sich heraus, dass sie ihre Wohnung seit etwa einem Jahr nicht mehr verlassen hat, da sie aufgrund starker Schmerzen im Rücken und im Hüftbereich die Treppen nicht mehr gehen kann. Zudem ist ihr Vermieter nicht bereit, die Kosten für den Einbau eines Treppenlifts zu übernehmen, ein Fahrstuhl ist auch nicht vorhanden. Frau Schneider ist aufgrund ihrer familiären Situation vollständig auf fremde Hilfe angewiesen. Ihre Zwillingsschwester sei ohnehin viel zu sehr damit beschäftigt, sich um ihren pflegebedürftigen Mann zu kümmern und hat bereits selbst zwei Schlaganfälle hinter sich, so die Erläuterungen Schneiders. Die Einkäufe von Frau Schneider und weitere kleine Erledigungen im Haushalt übernimmt ihre Nachbarin für sie. Ansonsten versucht Frau Schneider alles weitere allein zu erledigen, was allerdings immer mit sehr großen Schmerzen verbunden ist. Auch Schmerzmedikamente, die von einem ambulanten Pflegedienst gestellt werden, helfen nicht. Ein Pflegegrad sei laut Schneider schon mal beantragt worden, dieser wurde allerdings abgelehnt, weshalb sie den Antrag nicht noch einmal stellen möchte. Auch wegen ihrer Hüfte sollte sie mehrfach untersucht werden, die Termine wurden von ihr allerdings immer wieder aufgeschoben. Nach fast zwei Stunden Gespräch verlässt Frau Lorenz die Wohnung im ersten Stock und vereinbart einen neuen Termin im April. Frau Schneider scheint nach dem Termin sehr nachdenklich und bittet, dass sie bis zum nächsten Besuch ein wenig Zeit brauche, um sich neu zu ordnen. Es sieht so aus, dass Frau Schneider über die Jahre viele ihrer gesundheitlichen Bedarfe einfach verdrängt hat, die nun durch das Gespräch mit Frau Lorenz wieder in den Vordergrund gerückt sind.

April 2019

Folgebesuch durch Yvonne Lorenz: Frau Schneider ist nun viel gesammelter und sehr entschlossen, endlich etwas gegen ihre Hüft- und Rückenschmerzen zu tun. Diese schränken sie so stark ein, dass selbst kleine Tätigkeiten im Haushalt kaum noch möglich sind. Daraufhin vereinbart Frau Lorenz in Absprache mit dem Hausarzt noch für den gleichen Tag einen Termin zum Röntgen in Ratzeburg. Es stellt sich heraus, dass bei Frau Schneider eine deutlich fortgeschrittene Arthrose in der Hüfte vorliegt. Sie soll deshalb ein neues Hüftgelenk erhalten, zuvor stehen jedoch noch einige Voruntersuchungen an, welche Lorenz zusammen mit dem Hausarzt koordiniert. Nachdem diese erfolgten, bekommt Frau Schneider einen OP-Termin im DRK-Krankenhaus Mölln-Ratzeburg für Anfang Juni. Nach einer Woche im Krankenhaus und anschließend drei Wochen geriatrischer Reha wird Frau Schneider nach Hause entlassen. Am selben Tag ruft sie Yvonne Lorenz an und berichtet, dass die OP ein voller Erfolg gewesen sei und dass sie nun gern einen neuen Termin bei ihr zu Hause vereinbaren möchte.

Beim nächsten Treffen im September wird Yvonne Lorenz von einer völlig ausgewechselten Frau Schneider begrüßt. Wie es ihr mit dem künstlichen Hüftgelenk, den Schmerzen und ihren weiteren Einschränkungen im Alltag ergeht, erfahren Sie ab Seite acht im Magazin vernetzt+versorgt, das von unserem Projektpartner, dem Praxisnetz Herzogtum Lauenburg e.V., herausgegeben wird.

* Name geändert

KBV/AdA-Praxisnetztagung: Erfolgreiche Projekte im Innovationsfonds

Veröffentlicht Veröffentlicht in Allgemein

Unter dem Motto „Kooperation, Koordination, Innovation“ trafen sich am 13. Dezember Vertreter der rund 400 deutschen Ärztenetze zur jährlichen KBV/AdA-Praxisnetztagung in Berlin. In den Räumlichkeiten der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) ging es diesmal vor allem um die Frage, wie Praxisnetze sich heute und in Zukunft in die vertragsärztliche Versorgung einbringen können. Dabei geht es nicht zuletzt um Projekte, die Ärztenetze im Innovationsfonds umsetzen. Aus diesem Grund war im Rahmen eines Workshops zum Thema „Versorgung durch Praxisnetze – Erfolgreiche Projekte im Innovationsfonds“ auch RubiN auf der Praxisnetztagung vertreten.

Denn bei RubiN sind es die Ärztenetze, die mithilfe der bei ihnen angestellten Care- und Casemanager neue Mehrwerte für Ärzte und Patienten schaffen. Die Betreuung der geriatrischen Patienten in RubiN dient zwar vor allem einer besseren Gesundheitsversorgung von geriatrischen Patienten. Davon profitieren aber auch die beteiligten Ärzte. Sie werden durch den Einsatz der Care- und Casemanager bei der Betreuung ihrer Risikopatienten entlastet und unterstützt. Somit bietet RubiN für Mitgliedsärzte der teilnehmenden Netze eine attraktive Perspektive.

Wie bei den weiteren Initiativen, die im Rahmen der Praxisnetztagung präsentiert wurden, gilt das bis zur Einführung des Konzepts in der Regelversorgung zunächst nur im Innovationsfonds. Hier wird jedoch eine wachsende Brandbreite an Förderinitiativen aus den Reihen der Ärztenetzen umgesetzt. Damit wird deutlich, dass die Netze für die Gesundheitsversorgung der Zukunft an Bedeutung gewinnen können. Die Projekte aus dem Innovationsfonds spielen dabei eine besondere Rolle, denn hier wird bereits heute erprobt, was Ärztenetze flächendeckend umsetzen könnten. Im Bereich des Care- und Casemanagements ist das, wie auf der Praxisnetztagung sichtbar wurde, vor allem RubiN.

RubiN zu Gast bei der Patientenbeauftragten der Bundesregierung

Veröffentlicht Veröffentlicht in Allgemein

Unterstützung aus der Politik ist für RubiN essentiell. Sie soll dem Care- und Casemanagement aus RubiN nach dem Ablauf der Förderperiode in die Regelversorgung helfen. Vor diesem Hintergrund freuen wir uns über die kürzliche Gelegenheit, RubiN in einem persönlichen Gespräch der Patientenbeauftragten der Bundesregierung Prof. Dr. Claudia Schmidtke, MdB, vorzustellen.

Alle Geschäftsführer der RubiN-Interventionsregionen waren eigens dazu angereist und nahmen an dem Termin im Bundesministerium für Gesundheit teil. Sie konnten der Patientenbeauftragte aufzeigen, wie ein effektives Care- und Casemanagements für Patienten im Alter über 70 Jahren bei RubiN umgesetzt und evaluiert wird.

„Das Gespräch haben wir als sehr konstruktiv aufgefasst“, berichtet Claudia Beckmann, Netzwerkkoordinatorin in RubiN. „Wir waren beeindruckt von Prof. Dr. Claudia Schmidtkes dezidierten Fragen und ihrem wissenschaftlichen Interesse!“

Mit diesem ersten persönlichen Austausch in Berlin ist ein Gesprächsfaden geknüpft, der in Zukunft weitergeführt wird, denn Prof. Dr. Claudia Schmidtke kündigte schließlich ihren Besuch an. Dabei wird sie sich RubiN in der Praxis anschauen und aus erster Hand erfahren, was das Care- und Casemanagement für den Alltag älterer Patienten konkret bedeutet. Der Termin soll im Februar in unserer nördlichsten Interventionsregion, dem Herzogtum Lauenburg in Schleswig-Holstein, stattfinden. Claudia Schmidtke kommt aus der Region.

RubiN-Modellregionen erreichen Einschreibezahlen: Ärztenetze fordern Care- und Casemanagement in der Regelversorgung

Veröffentlicht Veröffentlicht in Presse
  • Im Projekt RubiN sind die geplanten Einschreibezahlen von 3.200 Patienten erreicht.
  • Die Ärztenetze, die das Care- und Casemanagement in RubiN umsetzen, fordern in einem Positionspapier dessen Verankerung in den Sozialgesetzbüchern.
  • Am 20. Januar 2020 richten die Projektpartner in Berlin einen Neujahrsempfang mit Pressekonferenz zur Zukunft des Care- und Casemanagements aus.

Göttingen, 20. November 2019. Das Projekt RubiN, das mit rund acht Millionen Euro aus dem Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) gefördert wird, hat einen wichtigen Meilenstein erreicht. In den fünf Modellregionen wurden insgesamt 3.200 geriatrische Patienten in das Projekt aufgenommen. Pro Region werden nun 640 Senioren im Alltag von ausgebildeten Care- und Casemanagerinnen begleitet.

Die Betreuung beginnt mit einem umfassenden Assessment der Lebenssituation der Patienten zur Ermittlung des Unterstützungsbedarfs. In der Folge werden dann geeignete Hilfsangebote identifiziert, deren Inanspruchnahme konkret angeleitet und vermittelt wird. Das kann beispielsweise die Beantragung von Sozialhilfe, die Suche nach einem Hausbesuchstherapeuten oder die Antragstellung für einen Pflegegrad sein. In enger Abstimmung mit den behandelnden Ärzten entsteht so um jeden Patienten ein individuell angepasstes Versorgungsnetz. „Die Unterstützungsmöglichkeiten durch RubiN sind genau so vielfältig, wie die individuellen Bedarfe unserer betreuten Senioren und ihrer Angehörigen“, erklärt Lysann Kasprick, vom GeriNet Leipzig e.V., die alle Care- und Casemanagerinnen für RubiN ausgebildet hat.

Modellregionen fordern „Leistungsanspruch“
Wie bei allen durch den Innovationsfonds geförderten Projekten ist auch bei RubiN die Unterstützung der geriatrischen Patienten zunächst auf die Laufzeit des Projekts begrenzt. Claudia Beckmann, Netzwerkkoordinatorin in RubiN, erklärt: „Das Care- und Casemanagement aus RubiN schließt eine echte Versorgungslücke. Deshalb muss diese wichtige Arbeit unbedingt fortgesetzt und verstetigt werden. Nachhaltig funktioniert das aber nur in der Regelversorgung, in die das Care- und Casemanagement aus diesem Grund aufgenommen werden muss.“

Ihre Forderung haben die fünf Ärztenetze, die das Care- und Casemanagement bei RubiN umsetzen, in einem Positionspapier niedergeschrieben. Konkret fordern sie darin einen „Leistungsanspruch“ auf Care- und Casemanagement sowie dessen Verankerung in den Sozialgesetzbüchern. Hier ist beispielsweise die SAPV geregelt. Eine vergleichbare Anerkennung als eigenständige, sektorenübergreifende Versorgungsform wollen die Ärztenetze nun auch für das Care- und Casemanagement erreichen.

Die Zeit drängt
Noch bis Ende 2020 ist die Finanzierung des Care- und Casemanagements bei RubiN durch den Innovationsfonds gedeckt. Doch dann endet die Förderung – mit ernsten Konsequenzen für die betreuten Senioren, wie Dr. Andreas Rühle, Geschäftsführer des Ärztenetzes plexXon, schildert: „Nach dem aktuellen Stand der Dinge müssen wir alle Care- und Casemanagerinnen zum Projektende entlassen. Die im Projekt aufgebaute Expertise und die dazugehörigen Strukturen gehen weitestgehend verloren. Eine lückenlose Überführung in die Regelversorgung ist deshalb von enormer Bedeutung.“

Um ihrem Ziel näherzukommen, sind die Ärztenetze nun auf der Suche nach Projekten und Organisationen aus dem Gesundheitswesen, die eine Etablierung des Care- und Casemanagements politisch unterstützen. Dafür plant das Konsortium am 20. Januar 2020 einen Neujahrsempfang mit Pressekonferenz zur Zukunft des Care- und Casemanagements.

als PDF abrufen

17 Care- und Casemanager zum GeriNeTrainer fortgebildet

Veröffentlicht Veröffentlicht in Allgemein

Freude an der Bewegung ist bei Senioren im Alter über 70 Jahren leider keine Selbstverständlichkeit. Ein wichtiger Grund dafür ist der große Mangel an altersgerechten Angeboten. Altensport findet vielerorts schlicht nicht statt.

Um das zu ändern, bildet unser RubiN-Projektpartner GeriNet Leipzig (https://www.gerinet-leipzig.de/) sogenannte GeriNeTrainer aus. Dabei handelt es sich um ehrenamtliche Übungsleiter, die Bewegungsgruppen für Senioren anbieten können. Das Programm wurde in Zusammenarbeit mit der Sportwissenschaftlichen Fakultät der Universität Leipzig entwickelt und wird bereits in mehreren europäischen Ländern, darunter Großbritannien, Polen und Italien angewendet.

Damit der Altensport auch in den RubiN-Regionen Anwendung findet, nahmen im November 17 Care- und Casemanager aus RubiN an der Fortbildung zum GeriNeTrainer teil. Alle von ihnen konnten den Lehrgang mit einer sehr guten Note abschließen und dürfen sich nun GeriNeTrainer nennen. Damit verfügen sie jetzt über das nötige Hintergrundwissen, um in ihren jeweiligen Regionen entsprechende Bewegungskurse anzubieten, die auch für geriatrische Patienten geeignet sind. In den Räumlichkeiten der Ärztenetz Lippe GmbH hat ein solches Treffen einer Bewegungsgruppe mit Unterstützung des Kreissportbunds Lippe bereits stattgefunden.

Ziel ist dabei einerseits eine höhere körperliche Fitness der Teilnehmer, andererseits spielt auch die soziale Anbindung eine Rolle, vor allem bei einsamen Senioren. Im Rahmen einer Studie konnte 2017 zudem nachgewiesen werden, dass die Übungsgruppen der GeriNeTrainer kognitiv fitter bleiben, als der Durchschnitt der Senioren. Dies alles trägt letztlich dazu bei, dass Senioren an Alltagskompetenz gewinnen und dadurch länger in ihrem gewohnten häuslichen Umfeld leben können. Weil auch RubiN dieses Ziel verfolgt, freuen wir uns sehr über die erfolgreiche Fortbildung und hoffen auf zahlreiche neue Bewegungsangebote in allen Modellregionen!

Rückenwind für die Einführung von Patientenlotsen

Veröffentlicht Veröffentlicht in Allgemein

Rund um die sektorenübergreifende Versorgung chronisch Erkrankter diskutierten am 05. November zahlreiche Vertreter von Care- und Casemanagement-Projekten in Berlin. Neben Innovationsfondsprojekten wie RubiN waren dabei Quartiersprojekte aus unterschiedlichen Kommunen beteiligt. Anlass war die „Fachtagung Patientenlotsen“ des Bundesverbands Managed Care (BMC) e.V., dessen Vorstandsvorsitzender, Prof. Dr. Volker Amelung, in seinem Plädoyer für die Etablierung von Patientenlotsen ausführte, man könne viel von anderen Ländern lernen. Anders als Deutschland würden diese, zugespitzt formuliert, nicht nur projektieren, sondern auch skalieren. Eine Sichtweise, die mit Sicherheit auch auf RubiN zutrifft.

Die Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Prof. Dr. Claudia Schmidtke, sprach sich ebenfalls für eine Intensivierung der Arbeit der Patientenlotsen aus, etwa in Form der „Gemeindeschwester plus“. Dr. Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer (BÄK) ergänzte diesen Ansatz um die Perspektive der Ärzteschaft. So seien Häusärzte als zentraler Ansprechpartner und Vermittler von Leistungen oftmals überfordert. Insofern sei die Tätigkeit von Patientenlotsen eine „hochgradige Entlastung“. Somit zeigte sich auch der Ärztepräsident von der Etablierung des Care- und Casemanagements überzeugt.

Wie diese Etablierung ablaufen kann, war nicht zuletzt Thema eines Workshops, den Dr. Andreas Rühle (pleXxon GbR, Ammerland), Lysann Kasprick (GeriNet e.V., Leipzig) und Constanze Liebe (Ärztenetz Lippe GmbH) als Vertreter von RubiN im Rahmen der Tagung organisierten. Aus der Diskussion ergab sich, dass die Anwendung in der Regelversorgung im Optimalfall aus einer ärztlichen Verordnung erfolgen könnte. Weitere Gedanken zur Etablierung des Care- und Casemanagements in der Regelversorgung sind bereits in einem aktuellen Positionspapier zusammengefasst. 

Unabhängig von der konkreten Ausgestaltung des Care- und Casemanagements oder von regionalen Unterschieden wurde in zahlreichen Vorträgen und Gesprächen deutlich, dass Patientenlotsen vielerorts einen wertvollen Beitrag leisten, der dringend Einzug in die Regelversorgung finden muss. Für dieses Ziel bot die Fachtagung Patientenlotsen jede Menge Rückenwind!

RubiN vor Ort: pleXxon präsentiert auf regionalen Messen

Veröffentlicht Veröffentlicht in Allgemein

Um Wirkung zu entfalten, muss RubiN vor Ort präsent sein. pleXxon, das Ärztenetz, das unsere Modellregion im Ammerland betreibt, war deshalb in den zurückliegenden Wochen auf mehreren regionalen Messen aktiv.

Im Oktober war dies die 3. Mehrgenerationenmesse in Westerstede. Hier drehten sich der Stand von RubiN sowie ein begleitender Vortrag rund um die Patientenmappe. Dabei handelt es sich um eine kompakte Zusammenstellung aller Informationen, die im Notfall schnell benötigt werden. Hierzu zählen etwa eine Patientenverfügung, Notfallkontakte und Ähnliches. Alle Patienten, die mit pleXxon an RubiN teilnehmen, haben eine solche Mappe bereits erhalten, aber auch über RubiN hinaus findet die Mappe Anwender.

Anfang November folgte die Seniorenmesse in Bad Zwischenahn. Inhaltlicher Schwerpunkt war hier das Handkrafttraining. Zahlreiche Besucher konnten im Rahmen der zweitägigen Veranstaltung am Stand von pleXxon mit der Methode vertraut gemacht werden. Die einfachen Übungen zur Stärkung der Handmuskulatur werden bei RubiN regelmäßig angewendet, denn auf dem Weg zum selbstbestimmten Alltag können sie ein hilfreiches Puzzlestück darstellen.

Informative Gespräche mit Senioren gab es sowohl in Westerstede als auch in Bad Zwischenahn in hoher Zahl. Auch RubiN-Patienten und Angehörige statteten dem Stand von pleXxon einen Besuch ab. Nicht zuletzt boten die beiden Veranstaltungen auch eine gute Gelegenheit, um Netzwerkpartner zu treffen. Das positive Feedback nimmt das Team von pleXxon nun als Rückenwind mit in die weitere Arbeit.

Landesseniorenkonferenz: Im Alter gut zu Hause leben

Veröffentlicht Veröffentlicht in Allgemein

Bereits zum 14. Mal lud der Landesseniorenrat Niedersachsen am 17. Oktober Seniorenvertreter aus den niedersächsischen Kommunen sowie interessierte Bürgerinnen und Bürger zur Landesseniorenkonferenz nach Hannover ein. Die Veranstaltung, die vom Niedersächsischen Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung unterstützt wird, bot eine konstruktive Plattform für Diskussionen rund um die Gesundheitsversorgung älterer Menschen. Zentrales Thema waren dabei Möglichkeiten zum Verbleib im häuslichen Umfeld. In diesem Rahmen konnten Stefanie Bließ, Projektleiterin für RubiN im Ärztenetz pleXxon, und Paul Kathmann, ärztlicher Geschäftsführer bei pleXxon, das Projekt RubiN präsentieren und ausführlich erläutern.

Aus seinem Arbeitsalltag als Hausarzt weiß Paul Kathmann, dass eine Arztpraxis keine vollständige Rundumversorgung älterer Menschen leisten kann. Viele Patienten erhalten zwar die Gesundheitsversorgung, die sie benötigen, verlieren aber trotzdem an Lebensqualität. Grund ist, dass ältere Menschen entweder ihre Bedürfnisse nicht konkret genug äußern oder sich schlicht mit den vorhandenen Defiziten arrangiert haben. Oftmals besteht auch Hilflosigkeit, sich in der Fülle der Angebote und gesetzlichen Möglichkeiten zurecht zu finden. In RubiN wird diese Problematik durch geschulte Versorgungskoordinatorinnen aufgegriffen, in ihrer Vielschichtigkeit erfasst und, immer bezogen auf den einzelnen geriatrischen Patienten, schrittweise bearbeitet. Zentral ist dabei eine ganzheitliche Betrachtung des individuellen Bedarfs über die Grenzen der Versorgungssektoren hinaus und die praktische Unterstützung bei der Inanspruchnahme geeigneter Angebote. Den älteren, versorgungsbedürftigen Menschen bietet dieses System Sicherheit, weil jederzeit Menschen da sind, die im Bedarfsfall helfen können. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die (Re-)Aktivierung der körperlichen und geistigen Fähigkeiten im Rahmen des Möglichen.

Dieses Konzept wurde von den Teilnehmern der Landesseniorenkonferenz mit viel Zustimmung aufgenommen. Im Rahmen der Veranstaltung wurde klar: Der Verbleib im häuslichen Umfeld bleibt ein Thema, das für Senioren in ganz Niedersachsen und wohl auch darüber hinaus einen sehr hohen Stellenwert einnimmt. Damit diese Möglichkeit länger offensteht, kann RubiN einen entscheidenden Beitrag leisten.

RubiN zu Gast im Schleswig-Holsteinischen Landtag

Veröffentlicht Veröffentlicht in Allgemein

Gemeinsam mit der BARMER nahm das Praxisnetz Herzogtum Lauenburg, das unsere nördlichste Modellregion managt, kürzlich die Gelegenheit war, RubiN im Kieler Landeshaus zu präsentieren. Im Rahmen eines gesundheitspolitischen Lunches erhielten interessierte Gesundheitspolitiker des Schleswig-Holsteinischen Landtages Details über den Hintergrund und die Umsetzung des Projekts.

Schleswig-Holsteins BARMER-Landesgeschäftsführer Dr. Bernd Hillebrandt informierte die Abgeordneten zunächst über die strukturellen Rahmenbedingungen von RubiN. Er erklärt: „Das Geriatriemodell RubiN setzt an einem wichtigen versorgungspolitischen Thema an und trifft den Nerv der Zeit. Denn viele Seniorinnen und Senioren brauchen nicht nur ihre Medikamente. Vielmehr benötigen sie im Alltag Hilfe und Unterstützung auf vielen Ebenen. Bislang hat noch keine andere Studie den Hilfebedarf von Geriatriepatientinnen und -patienten in seiner Komplexität so vielschichtig erfasst wie RubiN.“

Wie genau dieser Bedarf bei RubiN erfasst und erfüllt wird, konnte Christina Möllmann vom Praxisnetz Herzogtum Lauenburg den Parlamentariern anhand von Fallbeispielen veranschaulichen. Dabei wurde deutlich, wie verschiedene Defizite der ambulanten Gesundheitsversorgung im Projekt praktisch adressiert werden. Zahlreiche Rückfragen aus den Reihen der Parlamentarier, etwa zur Vernetzung von RubiN mit bestehenden Gesundheitsangeboten, unterstreichen das konkrete und wachsende Interesse der Gesundheitspolitik am Care- und Casemanagement.
Vom positiven Effekt des Projekts ist auch Dr. Hillebrandt überzeugt: „RubiN wird dazu beitragen, Rollenverständnis und Arbeitsteilung zwischen ärztlichen und nichtärztlichen Professionen weiterzuentwickeln und auch zur Klärung der rechtlichen Rahmenbedingungen einen wichtigen Beitrag leisten. Denn delegationsfähige Leistungen müssen im Sinne eines umfassenden Versorgungsmanagements erweitert und teilweise neu definiert werden. Am Ende steht die Frage, ob ein solches Versorgungsprogramm künftig zur Regelleistung werden kann. Die Evaluation wird die nötigen Erkenntnisse bringen.“

Bis dieses Ergebnis vorliegt, werden die Teams im Herzogtum Lauenburg wie auch in den vier weiteren Modellregionen Tag für Tag mit voller Kraft für Patienten im Einsatz sein. Damit diese wichtige Arbeit auch über die Laufzeit des Projekts hinaus geleistet werden kann, gilt es jetzt, den Gesprächsfaden mit der Politik aufrechtzuerhalten. Nur so hat das Care- und Casemanagement eine langfristige Perspektive – In Schleswig-Holstein und darüber hinaus.